Andacht zur Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34,15

Der Falke auf dem Foto ist auf der Jagd. Wie ein Pfeil schwirrt er frei und hoch oben durch die Luft, bereit für seinen atemberaubend schnellen Sturzflug. Ich weiß nicht genau, ob dieser Falke bei uns in der Markuskirche im letzten Jahr zu Besuch war, als wir gemeinsam mit den Falknern Hans-Peter Hermann und Ralf Zierold staunend die wunderbare Schöpfung Gottes anhand dieser Tiere feierten. Aber eines ist mir hängen geblieben: Um bei Geschwindigkeiten bis 380 km/h, die diese Tiere erreichen, den Durchblick nicht zu verlieren, ziehen sie ein durchsichtiges Augenlid beim Sturzflug über ihre Augen, und dass sie bei den hohen Geschwindigkeiten weiteratmen können, sind ihre Nasenlöcher extra dafür gemacht. Da frage ich mich, welche Gabe hat Gott mir gegeben, um mich in der sich oft rasend schnell verändernden Zeit zurecht zu finden, in der ich auch manchmal den Überblick verliere und nicht zu Atem komme, um dem Frieden, dieser großen und tiefen Hoffnung, nachzujagen. Für dieses vor uns liegende Jahr bitte ich Gott darum, mir die Gabe des Hinsehens und Wahrnehmens zu schenken, um Konflikte, Streit und Unfrieden erkennen zu können, um nicht in der Hektik geflissentlich darüber hinwegzusehen. Wenn ich mich traue,  hinzusehen und Anteil zu nehmen, dann kann ich mich gezielt, wie der Falke bei seiner Jagd, einsetzen, um Frieden zu stiften, wo er fehlt. Lasst uns mit Gottes Hilfe und Nähe seine Gaben entdecken, die er uns anvertraut hat, um gemeinsam mit seinem Segen dem Frieden nachzujagen, der unserer Welt so oft fehlt, um ihn zu erleben.


Ihr und Euer Pfarrer Andreas Vödisch

 

2018


Andacht zum Erntedankfest 2018

Zwei Tage vor Erntedank tragen Jößnitzerinnen Blumen und Gemüse aus ihren Gärten zur Gärtnerei. Über viele Jahre hatte der alte Gärtner die farbenfrohe Pracht zu einem Kranz gebunden. Es war ihm ein Bedürfnis, diesen Kranz für die Kirche entstehen zu lassen. Altersbedingt hat er diese Aufgabe inzwischen in jüngere Hände gelegt, die sich mit eben dieser Hingabe den Blumen und Feldfrüchten widmen.
Wenn der Erntedankgottesdienst beginnt, schreiten Konfirmanden mit dem Kranz in die Kirche und schmücken mit ihm den Taufstein. Konfirmandinnen bringen Brot und Weintrauben zum Altar. Viele aufgestellte Regale sind gefüllt mit Lebensmitteln, die einen Tag zuvor Jungen und Mädchen von den Bauernhöfen im Dorf zusammengetragen hatten. Einige Frauen sind dann am Samstag vor Erntedank bis zum Abend damit beschäftigt, ein Bild entstehen zu lassen, das der Gemeinde davon erzählt, wie früher in der Landwirtschaft gearbeitet wurde.
All diese Traditionen, die hier noch lebendig weitergegeben werden, drücken ein tiefes Bedürfnis aus, Gott für das Geerntete zu danken. Doch in diesem Jahr hätten wir mehr Regen gebraucht. Die Bitte um Regen für Felder und Morgentau auf den Wiesen wurde für viele Landwirte sogar zur Existenzfrage.
In Regionen, wo es mehr als 100 Tage lang wirklich keinen Tropfen geregnet hat, ließen die Bauern ihre Kühe zur Erholung auf die Wiesen des Vogtlandes reisen. Diese Tage der Trockenheit und Missernte waren sicherlich mit harter Klage und sehnlicher Bitte nach Regen verbunden. Der Monatsspruch nimmt diese bedrohliche Situation auf:
„Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.“ (Psalm 38,10)
Erleichtert laufen wir inzwischen wieder über grünes Gras – geschenkt. Wie jedes Jahr pflücken wir die Äpfel, Birnen und Pflaumen – kleine Wunderwerke am Ende einer langen Dürre. Gott hat unser Seufzen gehört und wir sollten ihm wirklich dankbar dafür sein.
Beatrice Rummel


Andacht zum Monatsspruch September 2018

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
Prediger 3,11

„Das kann ich selber“
Wie immer am Morgen bücke ich mich, um meinem Sohnemann die Schuhe ordentlich anzuziehen.  Ich kann mich eigentlich gar nicht mehr erinnern, dass es irgendwann mal anders war. Normalerweise blinken mich, während ich so im Flur hocke und mit den kleinen Schuhen beschäftigt bin, noch zwei andere zuckersüße Augen an. Es sind die Augen meiner Tochter, die mir klar zu verstehen geben – „jetzt ich und meine Schuhe“. Und mitten hinein in diese herzliche Alltäglichkeit sagt Emil, nicht das erste Mal, aber doch mit Nachdruck: „Das kann ich selber“. Er nimmt mir seine Schuhe aus der Hand und legt los. Auch wenn die Schuhe perfekt sitzen, der Knoten recht passabel scheint, die Schleife will nicht so recht gelingen. Nach einem kurzen Aufflackern kindlichen Zorns, zieht wieder Zufriedenheit ein, denn der Papa macht das schon und das ist noch o.k. . Als ich mir so meine Gedanken zu dieser für mich wunderbaren Alltagsgeschichte mache, wird mir zweierlei klar. Einmal ist es gut und erstrebenswert, dass wir als Menschen durch Ausprobieren und Lernen an Selbst- und Eigenständigkeit gewinnen. Zum anderen sollten wir uns eingestehen, dass es bei aller Anstrengung auch immer wie der und weiterhin Lücken in unserem Verstehen und Können geben wird. Um dies gegen allen krankmachenden Perfektionismus annehmen zu lernen ist mir der Monatsspruch für September wichtig geworden. „Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“ (Prediger 3,11)  Für meinen Alltag wird hier grandios deutlich, dass ich von Gott in genau dieser Zeit gewollt  und in seinen Augen schön. Er hat mir eine Sehnsucht und gewisse Ahnung seiner Ewigkeit ins Herz geschenkt, was mir auch in schweren Tagen seine Leichtigkeit gibt. Gott selbst hat den Anfang und das Ende in seinen Händen – mich, mein Leben, das Leben dieser Welt. Wenn mein Emil an dem Morgen, an dem unsere kleine Alltagsgeschichte spielte, in meinen Augen nur im Ansatz spürte, was mir der Prediger ins Herz legte, dann hat der Himmel die Erde geküsst. Aus solchen entlastenden und großen Momenten lebt mein Glaube – solche Momente wünsche ich uns allen in dieser lieben Sommerzeit.
Ihr und Euer Pfarrer Andreas Vödisch

Andacht zum Monatsspruch April 2018
Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Joh 20,21

„Schön ist die Juhugend…“, so trällert neben mir Margot Rödel, 87 Jahre alt. Was sie dann über ihre Jugend erzählt, ist plötzlich sehr ernüchternd: „Ich wohnte in der Schildstraße und hatte mich als Kind immer über die vielen Soldaten gewundert, die in die Pauluskirche gingen. Am 25. Februar 1945 war meine Konfirmation in der St. Johanniskirche. Als plötzlich am Ende des Gottesdienstes der Alarm losging, rannte ich um mein Leben.“
In Frieden alt werden zu können, betrachtet Margot Rödel als besondere Gnade. Sie lässt sich gern von Jesus ansprechen, wenn er sagt: „Friede sei mit euch!“ Sie will auch hoch betagt als Friedensbotin nicht hinter dem Berg halten und nimmt sich die folgenden Worte Jesu zu Herzen: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“
Schauen wir zurück auf den Moment, als der auferstandene Christus so zu seinen Jüngern sprach. Am Morgen erst hatten sie das leere Grab mit all den Leinentüchern vorgefunden. Jetzt, am Abend haben sie sich in einem Haus versammelt und die Tür aus Furcht verriegelt. Plötzlich trat Jesus in ihre Mitte. Um ihnen die Angst zu nehmen, sprach er zu seinen Jüngern: „Friede sei mit euch!“ Als er ihnen noch seine Wundmale zeigte, waren die Jünger erleichtert und froh. Abermals sagte Jesus: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Dann blies er jeden an und segnete ihn mit dem Heiligen Geist. Diese Aussendung ist der Anfang von Gemeinde, der Beginn, Menschen das Evangelium weiterzusagen: „Friede sei mit euch!“ Was bedeutet dieser Friedensgruß für uns heute? Frieden heißt für uns zunächst die Abwesenheit von Kampf und Streit – als Frieden zwischen den Völkern. Um diesen Frieden müssen wir immer wieder neu ringen. Frieden heißt aber auch, dass wir in der Gemeinde und Familie in Frieden leben und mit den Sichtweisen der verschiedenen Generationen umgehen können. Frieden bedeutet in diesem Sinne auch Wohlergehen. Wir dürfen die Hände falten und danken, wenn uns dieser Frieden geschenkt wird. Dann sollten wir uns auf den Weg machen und diesen Frieden mit anderen weiterleben. Margot Rödel ist mit dabei, solange sie lebt.
Ich natürlich auch und ich bin sicher, dass ich nicht allein unterwegs bin.
Beatrice Rummel